Die Forderung,
daß Auschwitz nicht
noch einmal sei,
ist die allererste an Erziehung.

Theodor W. Adorno

Die Aufarbeitung und das Erinnern an die Schrecken des Nationalsozialismus ist eine der entscheidenden Aufgaben unserer Gesellschaft. Sie hat dabei sowohl eine aufklärerische und pädagogische Dimension als auch eine mahnende Funktion. Doch wie kann eine Pädagogik des Erinnerns gestaltet werden in einer sich weiter verändernden Gesellschaft? Die letzten Zeitzeuginnen und Zeitzeugen werden bald nicht mehr über die erlebten Schrecken berichten können. Dazu verändern sich durch Migration und Generationenwechsel die konkreten Bezüge zur Vergangenheit. Was hat die Zeit von 1933 bis 1945 überhaupt noch mit mir zu tun? Antworten auf diese Fragen zu finden beschäftigt mich seit meinem Studium der Erziehungswissenschaft. Die Rolle der Medien wird dabei zukünftig noch bedeutender werden. Auf dieser Seite möchte ich zwei Projekte vorstellen, die ich in den letzten Jahren erstellt habe.

  • Der Dokumentarfilm „Kontrolliert | Verfallen“ zeigt den Alltag auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg. Wie kann man ein solch belastetes Gelände nutzen? Wo stehen sich städteplanerische und kommerzielle Interessen dem Gedenken entgegen?
  • Die Ausstellung „Verbrannte Asche“ wurde 2013 in der Universitäts- und Landesbibliothek Münster im Rahmen des 80. Jahrestages der Bücherverbrennung von 1933 gezeigt. Sie beschäftigt sich mit den Autorinnen und Autoren der von den Nationalsozialisten verbrannten Bücher.

KONTROLLIERT | VERFALLEN

Dokumentarfilm 2017
Der Dokumentarfilm „Kontrolliert | Verfallen“ zeigt den Alltag auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg – heute ein Ort zwischen Aufarbeitung und  Großveranstaltung. Im Fokus des Filmes steht die sogenannte „Zeppelintribüne“, auf der Adolf Hitler sich vor hundertausenden Teilnehmerinnen und Teilnehmern zum „Messias“ stilisierte. Kaum mehr als 80 Jahre nach Fertigstellung des Gebäudes ist das „Denkmal des Tausendjährigen Reiches“ marode. Die Stadt möchte die Tribüne und das umgrenzende Feld „instandsetzen“, um eine drohende Komplettsperrung zu vermeiden. Die Kosten würden sich auf 73 Millionen Euro belaufen. Doch welchen Sinn haben solche Gebäude heute? Sind sie es wert, für einen zweistelligen Millionenbetrag „trittfest“ gemacht zu werden? Der Film lässt Befürworter und Gegner des Bauvorhabens zu Wort kommen. Er fällt dabei keine eindeutigen Urteile, sondern fordert zur eigenen Auseinandersetzung auf.
Der Film entstand im Rahmen meiner Masterarbeit an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Neben dem Dokumentarfilm gibt es eine Extra-Homepage mit vertiefenden Texten. Dort gibt es eine Vielzahl historischer und aktueller Fotografien und interaktiven Anwendungen. Sowohl der Dokumentarfilm als auch alle Elemente der Homepage sind kostenlos und frei verfügbar.
www.hitlers-ruinen.de
Film-Trailer:

Fotos vom Reichsparteitagsgelände.

Ganzen Film anschauen:
Titel: „Kontrolliert | Verfallen – Alltag zwischen Hitlers Ruinen“
Jahr: 2017
Länge: 55:37 Minuten
Konzept, Drehbuch, Schnitt: Steffen Suuck
Sprecher: René Sydow
Kamera: Steffen Suuck, Michel Greulich, Christian Rosenau, Felix Höppner

Verbrannte Asche

Ausstellung 2013

Am Abend des 10. Mai 1933 warfen Nationalsozialisten in vielen Städten Deutschlands Bücher von politisch- und kulturell Andersdenkenden Autorinnen und Autoren ins Feuer eines Scheiterhaufens. Es war eine Macht-Demonstration der Nazis vier Monate nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler. Ziel der Aktion war eine breite Mobilisierung der Studenten der jeweiligen Stadt und der übrigen Bevölkerung für eine Eliminierung eines „undeutschen Geistes“, d. h. aller literarisch, ästhetisch oder politisch den NS-Auffassungen von Literatur und Kultur widerstrebenden Tendenzen.

Die Ausstellung „Verbrannte Asche“ wurde zum 80. Jahrestag der Bücherverbrennung in der Universitäts- und Landesbibliothek Münster eröffnet. Gestalterisch adaptierte die Ausstellung Formen und Typografien der 1920er Jahre, also der Weimarer Zeit – als Gegenpol zur Ästhetik des Nationalsozialismus. So wurde zu jedem Autoren und jeder Autorin Plakate mit einem passenden Zitat erstellt, die hier auf dieser Homepage zu sehen sind. Die Plakate sind optisch an die Arbeiten Lucien Bernhards angelehnt, ein deutsch-jüdischer Werbegestalter. Er war einer der führenden kreativen Köpfe Anfang des 20. Jahrhunderts. Neben Plakaten entwickelte er auch Schriftsätze. So ist es Ironie des Schicksals, dass die von den Nationalsozialisten geliebte „Fraktur“-Schriftart von eben diesem Lucien Bernhard stammt. Erst Anfang der 1940er Jahre wurde es den Nazis bewusst, dass diese „deutsche“ Schrift von einem Menschen mit jüdischem Glauben entwickelt wurde.

Ausstellungsplakat

Bertolt Brecht

Als vermeintlicher Kommunist, der Verse wie „Hitler verrecke“ geschrieben und zudem mit Helene Weigel 1929 eine Jüdin geheiratet hatte, stand Bertolt Brecht geradezu symbolhaft für das Schreckgespenst der bolschewistisch-jüdischen Weltverschwörung, gegen die Hitler ins Feld gezogen war. Seine gesellschaftskritischen Dramen thematisieren die soziale Zerrissenheit in der Weimarer Republik.

Nach ersten Erfolgen als Dramatiker und Lyriker gelang dem gebürtigen Augsburger 1928 der endgültige Durchbruch mit der überaus erfolgreichen „Dreigroschenoper“, die der „Völkische Beobachter“ als „Niederrassenkunst“ bezeichnete. Bald darauf wandte sich Brecht im Zuge seiner Marx-Studien dem Kommunismus zu und positionierte sich offen gegen die Nationalsozialisten, so etwa in seinem Drama „Die Rundköpfe und die Spitzköpfe“ aus dem Jahr 1932. Als engagierter Autor und entschiedener Gegner der Idee einer komplett zweckfreien Kunst sah er es als seine Pflicht an, gegen Hitler anzuschreiben. Zu diesem Zeitpunkt war es in Berlin bereits kaum mehr möglich, seine Stücke ohne gezielte Störungsaktionen der SA aufzuführen. Es verwundert also nicht, dass Brecht gut vorbereitet war, als am 27. Februar 1933 der Reichstag brannte – schon am folgenden Tag floh er ins Exil. Trotz zahlreicher Schwierigkeiten und mehrerer Ortswechsel blieb der Vertriebene auch im Ausland aktiv. Neben dem Stück „Furcht und Elend des Dritten Reiches“, das den Alltag unter dem NS-Regime thematisiert, schrieb er in jener Zeit unter anderem mit „Mutter Courage und ihre Kinder“ und „Das Leben des Galilei“ zwei seiner bekanntesten Dramen. Nach dem Krieg kehrte er nach Deutschland zurück und gründete das Berliner Ensemble in Ostberlin, das er bis zu seinem Tod 1956 leitete.

Verbrannt wurden alle Werke Brechts. Nicht nur einzelne Arbeiten, sondern der Dichter in seiner Gesamtheit sollte aus der deutschen Erinnerung gebrannt werden.

Text von Thomas Gatz

Albert Einstein

Albert Einstein gilt als eines der größten Genies der 20. Jahrhunderts. Bekannt ist er vor allem für seine Leistungen auf dem Gebiet der Physik. Neben seinen wissenschaftlichen Leistungen war er aber auch politisch sehr engagiert. Als überzeugter Pazifist, Sozialist, Kriegsdienstverweigerer und als Mensch jüdischer Abstammung war er ein umstrittener Mensch im Deutschland der 1920er und 30er Jahre.

Er engagierte sich unter anderem bei der Deutschen Liga für Menschenrechte, trat auf zahlreichen Veranstaltungen von sozialistischen und kommunistischen Vereinigungen auf und bezog auch bei Podiumsdiskussionen und in Interviews stets eine klare Position.

Schon in den 20er Jahren sah er sich Morddrohungen und Schmähungen ausgesetzt. Auch an  Hochschulen begegneten ihm immer wieder Menschen, die ihn für seine politische Orientierung verachteten. Wegen seiner religiösen Abstammung geriet er immer wieder in den Blickpunkt der Nationalsozialisten. Während sich die Lage um ihn herum zuspitzte, suchte er immer häufiger Ruhe und Erholung bei Aufenthalten im Ausland. 1932 entschied er sich schließlich, nicht mehr nach Deutschland zurückzukehren, weil ihm die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen als untragbar erschienen.

Als 1933 in Deutschland seine Bücher verbrannt wurden, befand er sich bereits im selbstgewählten Exil in den USA. Auch von dort aus setzte er sich weiter regelmäßig für den Frieden ein und übte Kritik am Dritten Reich. Verbrannt wurden seine wissenschaftlichen Schriften über die Relativitätstheorie. Seine politischen Schriften hatten zu dieser Zeit noch keinen großen Bekanntheitsgrad erreicht. Doch an den deutschen Hochschulen war er wegen seines Weltruhms zu einem polarisierenden Element geworden.

Text von Markus Pohlmann

Kurt Eisner

Kurt Eisner wurde 1867 in Berlin geboren. Nach dem Abitur studierte er Philosophie, danach war er journalistisch tätig. In der Wochenzeitschrift Die Kritik veröffentlichte er seine Provinzialbriefe, politische Glossen, in denen er den Wilhelminismus kritisierte. Über diese Tätigkeit gelangte er zur Sozialdemokratie. 1897 wurde Eisner wegen Majestätsbeleidigung zu einer neunmonatigen Haftstrafe verurteilt. Ab Dezember 1898 arbeitete er dann beim Vorwärts. Seine gesellschaftskritischen Analysen kleidete er häufig in feuilletonistische Satire. Kritiker versuchten ihn als „Phantast und Utopist“ zu disqualifizieren. 1905 musste er den Vorwärts nach einem geglückten Coup seiner parteiinternen Widersacher verlassen. 1909 ging Einser nach München, nachdem ein außereheliches Verhältnis und das Ende seiner Ehe für einen Skandal gesorgt hatten. In München arbeitete er als Redakteur der Parteizeitung Münchener Post.

Im Zuge der innerparteilichen Kontroverse um die Haltung zur Kriegspolitik des Kaiserreichs brach Eisner mit der SPD und war 1917 an der Gründung der USPD beteiligt. 1918 wurde er erneut inhaftiert, da er zum Streik in der Rüstungsindustrie aufgerufen hatte. Am 08. November 1918 wurde Eisner von einem vorläufigen Nationalrat zum bayrischen Ministerpräsidenten gewählt. Als dieser rief Eisner den Freistaat Bayern aus. Die bayrische Monarchie war damit gestürzt. Eisner setzte sich u.a. für eine öffentliche Aufklärung der deutschen Schuld am Ersten Weltkrieg ein und wurde dafür vor allem aus nationalkonservativen Kreisen heftig kritisiert und aufgrund seiner jüdischen Herkunft verunglimpft.

Eisner blieb nur 105 Tage im Amt des Ministerpräsidenten. Auf dem Weg zum Landtag wurde Eisner am 21. Januar 1919 von dem rechtsgerichteten Offizier Anton Graf Arco auf Valley erschossen. Im Landtag hatte Eisner seine Rücktrittsrede halten wollen.Bei der Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 verbrannten die Nazis u.a. Eisners Biografie des sozialdemokratischen Gründervaters Wilhelm Liebknecht und das von der Büchergilde anlässlich seines 10. Todestages herausgegebene Gedenkbuch „Welt werde froh!“.

Text von Robert von Olberg

Lion Feuchtwanger

Lion Feuchtwanger wurde am 7. Juli 1884 als Sohn einer jüdisch-orthodoxen Fabrikanten-Familie in München geboren. Bereits in früher Jugend wagte er erste schriftstellerische Versuche und brachte später auch eigene Zeitschriften raus, die aber aufgrund von finanziellen Problemen relativ schnell wieder aufgegeben werden mussten. Und so widmete er sich schließlich dem Schreiben von Dramen und Romanen und brachte 1925 mit „Jud Süß“ seinen ersten Roman heraus. 1930 veröffentlichte Feuchtwanger den Roman „Erfolg“, in dem er in der Figur Rupert Kutzners ein leicht erkennbares Bild Hitlers zeichnete. Während der Machtübertragung auf das NS-Regime befand sich Feuchtwanger auf einer Vortragsreise in den USA und konnte anschließend nicht wieder nach Deutschland einreisen. Er begab sich ins Exil nach Südfrankreich, von dort emigrierte er 1941 über verschiedene Umwege nach Kalifornien, wo er bis zu seinem Tod 1951 lebte. Er galt den Nationalsozilist*innen als einer der intellektuellen Hauptgegner und so wurden seine Werke Opfer der Bücherverbrennung. Im Exil war er einer der Wortführer der deutschen Exilschriftsteller*innen im Kampf gegen den Nationalsozialismus und unter anderem mit Bertolt Brecht Herausgeber einer Exilzeitschrift.

Text von Maren Maiwald

Sigmund Freud

Sigmund Freud ist heutzutage als der „Entdecker des Unterbewussten“ bekannt. Er wurde im Jahr 1856 in Freiberg, im heutigen Tschechien geboren. Einen großen Teil seines Lebens verbrachte Freud in Wien, wo er studierte und habilitierte. Seine Psychoanalyse stellt die Grundlage der modernen Tiefenpsychologie und Psychotherapie dar.

Sigmund Freud als Begründer der Psychoanalyse scharte schon früh eine Reihe von Ärzten um sich, hatte jedoch als Jude und Vordenker Schwierigkeiten, in universitären Kreisen Anerkennung zu finden. Trotz dieses Kampfes erlangte er schon während seiner Lebenszeit weltweite Popularität.

Auch die Nationalsozialisten erfuhren, dass in Wien ein „Nervenarzt“ saß, der Menschen etwas von Trieben und von Unterbewusstem erzählte. Solche Gedanken passten nicht in ihre Ideologie. Sigmund Freud wurde hart von ihnen attackiert. Ihre Anfeindungen gipfelten darin, dass auch Freuds Schriften auf die „schwarze Liste“ gesetzt wurden; eine Liste der Bücher, die den Flammen der Bücherverbrennung übergeben wurden. „Gegen seelenzerfasernde Überschätzung des Trieblebens. Für den Adel der menschlichen Seele. Ich übergebe dem Feuer die Schriften der Schule Sigmund Freud“, lautete der Feuerspruch, mit dem man Freuds Bücher aus den Regalen und Köpfen der Menschen verbannen wollte.

Obwohl Sigmund Freud bereits früh von Freunden und Bekannten gewarnt wurde, verließ er Österreich erst am 13.März 1938 und emigrierte nach London. Im darauf folgenden Jahr starb er dort, wie er es sich erhofft hatte, „in Freiheit“.

Text von Julia Suuck

Ernest Hemingway

Ernest Hemingway – für die Kenner ist er der Mann, der mit kurzen, prägnanten Sätzen zu einem unvergleichbaren Schreibstil gelangte – Literaturnobelpreisträger und einer der größten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Zudem steht er wohl wie kein anderer Autor für Freizeitgestaltungen wie afrikanische Großwildjagden, blutige Stierkämpfe und den Angelsport.

Hemingway wurde im Jahre 1899 in Oak Park, USA, geboren. Er erlebte beide Weltkriege. Den ersten Weltkrieg  arbeitete er als freiwilliger Sanitäter an der Front zwischen Österreich und Italien.  Er wurde dort zweimal schwer verwundet. Bei einen Krankenhausaufenthalt lernte er eine Krankenschwester kennen und verliebte sich in sie; ein Erlebnis, dass er zu späterem Zeitpunkt in dem Roman „A Farewell to Arms“ verarbeitete. Der Sanitätsoffizier Frederic Henry nimmt in dieser Geschichte als Sanitätsoffizier auf italienischer Seite am Krieg gegen Österreich/Ungarn teil, wird schwer verwundet und gerät in eine Liebesbeziehung mit der Krankenschwester Catherine. Diese wird schwanger. Das Paar versucht zu flüchten und die Geschichte endet in einer Tragödie.

„A Farewell to arms“, wörtlich übersetzt „Abschied von den Waffen“ war das Buch, welches in der deutschen Fassung „In einem anderen Land“ von den Verantwortlichen für die Bücherverbrennung auf die schwarze Liste „Schöne Literatur“ gesetzt wurde.

Es existieren keine klaren Aussagen darüber, weshalb genau dieses Buch des amerikanischen Autors den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge war. Naheliegend ist jedoch, dass die Figur des Soldaten Frederic Henry, der sich für die Liebe zu einer Frau und gegen den Kriegsdienst entscheidet, für die Nazis von Anfang an verwerflich gewesen war.

Text von Julia Suuck

Theodor Heuss

Theodor Heuss (1884-1963) war der erste Bundespräsident der BRD. Er arbeitete nach seinem Studium als Redakteur der Zeitschrift „Die Hilfe“, bei der er 1907 die Leitung für den Bereich Politik übernahm. Seitdem war Theodor Heuss journalistisch tätig, u.a. als Chefredakteur der Zeitschriften „Deutsche Politik“ und „Die Deutsche Nation“.

Sein politischer Werdegang begann 1910 mit dem Eintritt in die „Fortschrittliche Volkspartei“. 1918 trat er wieder aus und schloss sich der „Deutschen Demokratischen Partei“ an. Für sie wurde Heuss 1924 in den Reichstag gewählt, fügte sich der Fraktionsmeinung und stimmte im März 1933 sogar dem Ermächtigungsgesetz zu, obwohl er sich vorher dagegen aussprach.

Auf der „schwarzen Liste“ standen seine Bücher „Führer aus deutscher Not“ (1927) und „Hitlers Weg“ (1932). In „Hitlers Weg“ erörtert er kritisch und zum Teil ironisch den Nationalsozialismus. Später sagte er, er hätte die Nationalsozialisten unterschätzt und sie aus „milder Reserviertheit“ bewertet. Sonst äußerte Heuss sich kaum über seine Bücher oder den Nationalsozialismus.

Zu seinem Platz auf der schwarzen Liste sagte er: „Einige der Leute, die auf der Liste stehen, sind ja menschlich keine schlechte Nachbarschaft, aber daneben findet sich auch das entwurzelte jüdische Literatentum, gegen das ich (…) gekämpft habe, und das ist weniger schön, mit diesen in die Geschichte einzugehen“. Hier sieht man deutlich, dass die Nationalsozialisten nicht nur gegen Widerstandskämpfer vorgegangen sind, sondern auch gegen solche, die einige Ansichten mit ihnen teilten. Heuss verliert nach der Verbrennung sein Reichstagsmandat und veröffentlicht seine Texte zum Teil unter dem Pseudonym Thomas Brackheim.

Text von Rabea Friedl

Erich Kästner

Erich Kästner ist vielen Menschen wohl bekannt als einer der großen deutschen Kinderbuchautoren des 20. Jahrhunderts. Bücher wie „Emil und die Detektive“ sind berühmte Werke, die internationalen Erfolg feierten und in vielen Kinderzimmerregalen noch heute festen Standort haben. Für das Deutschland der 20er Jahre war es revolutionär, dass ein Autor Kinder als Protagonisten wählte, die selbstbewusst auftraten und sich von Erwachsenen keine Vorschriften machen ließen. Das allein war es aber nicht, was Kästners Literatur 1933 auf die Liste der zu verbrennenden Bücher brachte. Es war insbesondere der Lyriker Kästner, der der NSDAP ein Dorn im Auge war. Kästner veröffentlichte in vielen bekannten Journalen von der “Neuen Leipziger Zeitung“ bis zur pazifistischen „Weltbühne“. In vielen seiner Gedichte und Texte zeigte er sich als ein zeitkritischer, politischer Satiriker.

Der Schriftsteller Hermann Kesten schrieb später über ihn: „Er war ein Satiriker mit Herz, ein Kinderfreund, der nie kindisch wurde, ein verzweifelter Optimist, der nie zu lachen vergaß, einer der klügsten Sprecher unseres Jahrhunderts und ein Bastard, aber ohne den Närrischkeiten und Fehltritten der Epoche nachzugeben.“

Kästner war dabei, als seine Bücher am 10. Mai 1933 auf dem Berliner Opernplatz verbrannt wurden. Sein Werk wurde verboten. „Alles außer Emil“ stand auf der schwarzen Liste – an „Emil und die Detektive“ wagte man sich nicht heran. Das Kinderbuch war schon 1933 so erfolgreich gewesen, dass man eine „Rebellion in den Kinderzimmern“ befürchtete, würde man es rigoros verbieten. Kästner erhielt Berufsverbot, sodass er fortan bis zum Kriegsende nur noch unter Pseudonymen veröffentlichte. Er blieb ihn Deutschland. Man vermutet, dass die ungewöhnlich enge Beziehung zu seiner Mutter es ihm unmöglich machte, das Land zu verlassen.

Text von Julia Suuck

Emil Ludwig

Als Sohn eines jüdischen Zahnarztes wurde Emil Ludwig 1881 in Breslau geboren. Später trat er jedoch zum Christentum über und studierte Jura, bevor 1906 zum ersten Mal in die Schweiz zog. Ab 1914 arbeitete er als Journalist in London, uns arbeitete später, während des 1. Weltkriegs, als Korrespondent für das „Berliner Tageblatt“ in Wien und Istanbul.

Nachdem am 24.6.1922 der liberale Politiker Walter Rathenau durch die nationalistische Terrororganisation „Operation Consul“ ermordet wurde, kehrte sich Emil Ludwig vom Christentum und Deutschland ab und zog endgültig in die Schweiz, wo er 1932 auch das Bürgerrecht erwarb.

Während des 2. Weltkriegs hielt er sich in den USA auf, wo er in Kooperation mit der US Regierung viele anti-faschistische Texte verfasste. Erst nach Ende des Krieges zog er wieder in die Schweiz zurück und starb dort 1948 in Ascona.

Emil Ludwig ist der Verfasser vieler populär wissenschaftlicher Biographien, die weltweit Beachtung fanden. Auf diese Weise verkörperte er im Ausland das demokratisch-humanistische Deutschland. Sein bekanntestes Werk „Mord in Davos“ handelt von der Ermordung des Nationalsozialisten Wilhelm Gustloff durch David Frankfurter, welchen Emil Ludwig als den neuen biblischen David in seinem Kampf gegen den Riesen Goliath darstellt. Mit seinen Werken wurde Emil Ludwig zur Zielscheibe der Nationalsozialisten, die in dem Autor einen ihrer größten Gegner sahen.

Text von Felix Höppner

Rosa Luxemburg

Rosa Luxemburg wurde vermutlich am 5. März 1871 in Zamość geboren. Bereits während ihrer Schulzeit war sie politisch engagiert, was sie zur Flucht nach Zürich zwang, wo sie studierte. Nach ihrem Umzug nach Berlin 1898 trat sie in die SPD ein und wurde zur Wortführerin des linken Parteiflügels. Ab 1907 unterrichtete sie in der SPD-Parteischule. Als Reaktion auf die Kriegsunterstützung seitens der SPD gründete sie 1914 die „Gruppe Internationale“, in der sich Kriegsgegner aus der SPD zusammentaten und aus der 1916 der Spartakusbund hervorging. 1918/19 verfasste sie als Gründungsmitglied der KPD das Programm der Partei.

Am 15. Januar 1919 wurde Luxemburg nach dem Spartakusaufstand von Freikorps ermordet.

Ihr Werk sollte wegen ihres sozialistischen und antimilitaristischen Gehalts komplett verbrannt werden. Luxemburg gilt als Vertreterin der europäischen Arbeiterbewegung, des Marxismus und des „Proletarischen Internationalismus“. Nachdem sie in einem Gefängnisaufsatz Lenins Partei- und Fraktionsverbot scharf kritisiert und seine Imperialismustheorie abgelehnt hatte, unterstellte ihr Stalin eine verschwörerische Feindseligkeit gegen die Revolution, sodass ihr Werk im Staatskommunismus stets ablehnend betrachtet wurde. Gerade deshalb beriefen sich auch DDR-Dissidenten und Bürgerrechtler auf ihre Thesen. Auch Hannah Arendt stützte sich auf sie und sie inspirierte zahlreiche Mitglieder der Frauen- und Friedensbewegung, sowie die sozialistische Jugend.

Text von Lena-Rosa Beste

Heinrich Mann

Geboren am 27.3.1871 in Lübeck als Sohn einer reichen Bürgerfamilie publizierte Heinrich Mann in seinen frühen Jahren durchaus reaktionäre und antisemitische Meinungen. Allerdings distanzierte er sich ab 1903 deutlich von diesen Äußerungen und ließ seine frühen Schriften nicht zu seinem Werk zählen. In einem Umdenkprozess zwischen 1904 und 1914 entwickelte Mann sich zu einem engagierten, politischen Schriftsteller. Beißende Kritik an der Gesellschaft des deutschen Kaiserreiches übte er in „Professor Unrat oder das Ende eines Tyrannen“, besonders aber im 1918 erschienenen Roman „Der Untertan“, den Tucholsky als „Herbarium des deutschen Mannes“ bezeichnet hat.

Aufbauend auf seinem Renommee als Romancier betätigte sich Heinrich Mann ab 1918 verstärkt als politischer Publizist. In dieser Rolle stand er loyal zur gerade entstandenen Weimarer Republik, kritisierte aber dennoch offen die gesellschaftlichen Missstände. Als größte Probleme erkannte Mann das Weiterleben vordemokratischer Geisteshaltungen, v.a. des Nationalismus: „Wer Nationalismus sagt, ob er es will oder nicht: er sagt Krieg!“ So trat er für die Idee eines „europäischen Reiches“ einschließlich von „Abrüstung und Währungseinheit“ sowie eine Aussöhnung zwischen Frankreich und Deutschland ein. Daneben standen Überbleibsel des Obrigkeitsstaates im Zentrum von Manns Kritik, z.B. die politisch motivierten Urteile, der unmenschliche Strafvollzug sowie Zensurmaßnahmen.

Heinrich Mann bekämpfte ab 1930 die nationalsozialistische Bewegung mit Warnungen und Appellen. So forderte er im März 1932 dazu auf, Hindenburg und nicht Hitler zum Reichspräsidenten zu wählen, obwohl er diesem als Vertreter des alten Kaiserreiches misstraute.

Nach der Machtübernahme Hitlers emigrierte Heinrich Mann am 21.02.1933 nach Frankreich, von wo aus er den Kampf gegen den Nationalsozialismus durch Publikationen und Engagement in Organisationen wie der Deutschen Freiheitsbibliothek und dem Weltkomitee gegen Krieg und Faschismus weiterführte.

Text von Jan-Philipp Engelmann

Karl Marx

Der Name Karl Marx kann im Zusammenhang mit der nationalsozialistischen Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 nur stellvertretend für all diejenigen stehen, deren Werke unter dem Ausruf „Gegen Klassenkampf und Materialismus, für Volksgemeinschaft und idealistische Lebenshaltung!“ in die Flammen geworfen wurden. Dazu zählten Werke marxistisch orientierter Theoretiker wie z.B. Karl Kautsky, Karl Korsch, Georg Lukács und Friedrich Engels.

Marx wurde 1818 in Trier geboren. Nach dem Abitur studierte er Jura in Bonn und Berlin, widmete sich jedoch nebenher stark der Philosophie, insbesondere der Auseinandersetzung mit Hegel. Seine Promotion erfolgte auch in diesem Fach. Nach dem Studium war er journalistisch tätig, u.a. bei der liberalen Rheinischen Zeitung. Seine ersten Artikel widmeten sich der Kritik der Pressezensur und der preußischen Monarchie. Schnell wurde ihm deutlich, dass Recht und Gesetz nicht unabhängig von den gesellschaftlichen Verhältnissen betrachtet werden können. Gemeinsam mit Engels verfasste er 1848 das „Manifest der Kommunistischen Partei“, in dem sie die Notwendigkeit einer sozialen Revolution mit dem Ziel der Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln postulierten. Nachdem die Revolution 1848 in Deutschland niedergeschlagen wurde, musste Marx nach London fliehen. Hier widmete er sich einer umfassenden Auseinandersetzung mit der politischen Ökonomie, die u.a. in sein Hauptwerk „Das Kapital“ mündete.

Politisch engagierte sich Marx in der „Internationalen Arbeiter-Assoziation“ und stand zudem in regem Austausch mit den im Entstehen begriffenen sozialdemokratischen Parteien in Europa. Seine politischen Hoffnungen setzte er auf das Bewusstwerden der arbeitenden Klassen über ihre wirtschaftliche, soziale und politische Lage. In der zu erwartenden sozialen Revolution meinte er die Emanzipation des Menschen schlechthin zu erkennen. Zu Marx´ umfangreichem Werk zählen neben den ökonomischen Schriften zahlreiche philosophische, historische und politische Schriften, die er häufig gemeinsam mit Engels verfasste. Marx starb 1883 in London.

Text von Robert von Olberg

Gustav Radbruch

Gustav Radbruch tat sich während der Weimarer Republik als fortschrittlicher Geist und in seiner Rolle als Justizminister als ein liberaler Reformer des deutschen Rechtssystems hervor, der mit vielen seiner Ansichten der herrschenden Meinung in der Rechtswissenschaft entgegentrat. Unter anderem ermöglichte er als Justizminister Frauen den Zugang zu allen Justizämtern.

Als überzeugter Pazifist lehnte er die Todesstrafe ab und trat für ein internationales Weltrecht ein. Er formulierte einen ehrgeizigen Entwurf zur Reformierung des deutschen Strafrechts, der aber ein Entwurf blieb, weil er an der Realität der Weimarer Republik scheiterte. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten bezahlte Radbruch den Preis für seinen unermüdlichen Kampf für die Demokratie und die Republik. Er war der erste Professor in Deutschland, der im Mai 1933 im Zuge der Aktion „Wider den undeutschen Geist“ seinen Lehrstuhl verlor. Sein Buch „Kulturlehre des Sozialismus“ wurde ein Opfer der Flammen.

Am bekanntesten ist Radbruch aber für die nach ihm benannte „Radbruch‘sche Formel“, die er 1946 unter dem Eindruck der Unrechtsjustiz des dritten Reiches formulierte und die u.a. in den Mauerschützenprozessen Eingang in die Rechtssprechung des Bundesgerichtshofes und des Bundesverfassungsgerichts gefunden hat. Neben Roland Freisler, Otto Best oder Carl Schmitt sticht Gustav Radbruch unter den deutschen Juristen als eines der wenigen positiven Beispiele aus einem dunklen Kapitel der deutschen Rechtsgeschichte hervor. Schon lange vor Hitlers Machtergreifung tat er sich als unermüdlicher Kämpfer für Demokratie und Gerechtigkeit hervor und war mit seinen Reformbestrebungen des Strafrechts seiner Zeit weit voraus.

Text von Nils Theinert

Erich Maria Remarque

„Granaten, Gasschwaden und Tankflotillen – Zerstampfen, Zerfressen, Tod. Ruhr, Grippe, Typhus – Würgen, Verbrennen, Tod. Graben, Lazarett, Massengrab – mehr Möglichkeiten gibt es nicht.“

Diese Beschreibung des ersten Weltkrieges stammt aus dem populärsten Buch von Erich Maria Remarque: „Im Westen nichts Neues“. Remarque kam 1898 in Osnabrück zur Welt. 1916 wurde er zur Armee eingezogen und im Juni 1917 an die Westfront versetzt. Schon einen Monat später wurde er schwer verwundet. Trotz der verhältnismäßig kurzen Zeit, die Remarque an der Front verbrachte, prägte ihn das Erlebte bis an sein Lebensende. Der junge Soldat zog seine Lehre aus den industrialisierten und anonymisierten Schlachten des Ersten Weltkrieges und wurde glühender Pazifist.

1928 erschien sein Roman „Im Westen nichts Neues“, der ihn über Nacht weltberühmt machte. Darin erzählt Remarque teilweise autobiographisch die Geschichte des jungen Soldaten Paul Bäumer, der an der Westfront des Ersten Weltkrieges stationiert ist und dort die Entmenschlichung der Soldaten durch den Krieg erlebt, bis er schließlich kurz vor Kriegsende fällt. Der Roman entlarvt den Krieg als barbarischen Akt.

Dementsprechend stieß der Roman auf massive Kritik nationalistischer Kreise, die weiterhin an einer positiven Interpretation des Krieges festhielten. Doch die enormen Verkaufszahlen des Buches sprechen dafür, dass Remarque das Lebensgefühl vieler Kriegsveteranen traf, was ihn für die Rechten noch gefährlicher machte. So verwundert es nicht, dass gerade sein Werk von den Nazis besonders verabscheut wurde und er 1933 in einer überstürzten Flucht Deutschland verlassen und in die Schweiz gehen musste. Wie verhasst Remarque auch nach seiner Flucht blieb, zeigt die Ermordung seiner Schwester 1943, die stellvertretend für ihn hingerichtet wurde. Bis heute wurde dieser Scheinprozess von deutschen Behörden nicht juristisch untersucht und auch seine 1938 entzogene Staatsangehörigkeit wurde ihm bis zu seinem Tode 1970 von offizieller Seite der Bundesrepublik nicht wieder angeboten.

Text von Tino Keppler

Joseph Roth

„Und beim Schriftsteller beginnt schon dort, wo er schweigt, die Lüge.“ Diese Feststellung, niedergeschrieben im 1928 veröffentlichten Roman „Zipper und sein Vater“ zeigt in aller Klarheit das Selbstverständnis des österreichischen Journalisten und Schriftstellers Joseph Roth. Im östlichsten Teil des Habsburgischen Vielvölkerreiches 1894 geboren, wuchs Roth, als Sohn jüdischer Eltern, in Brody, einer kulturellen Hochburg des osteuropäischen Judentums auf. Im ersten Weltkrieg meldete er sich als Freiwilliger zur Armee. Seine ersten journalistischen Arbeiten, noch während des Krieges veröffentlicht, zeigen jedoch, dass er dem Krieg schon bald ablehnend gegenüberstand. Nach Kriegsende bezeichnete sich Roth zunächst als Sozialist. Als Journalist warnte Roth schon früh vor der nationalsozialistischen Gefahr. Zugleich wandte er sich von der Republik ab, da sie seiner Meinung nach die Gewalt gegen nationale bzw. religiöse Minderheiten hervorgerufen habe. Stattdessen setzte Roth verstärkt auf eine Wiederbelebung der Monarchie nach habsburgischem Vorbild, in der er ein starkes Bollwerk gegen den Faschismus erblickte.

Roth unterhielt zu Beginn der 1930er Jahre eine außereheliche Beziehung zu Andrea Manga Bell, Tochter eines dunkelhäutigen Kubaners und Mutter zweier ebenfalls dunkelhäutiger Kinder. Außerdem verteidigte er die jüdische Frömmigkeit in seinen Werken. Eine erste entschiedene Parteinahme Roths stellte der 1927 erschienene Essay „Juden auf Wanderschaft“ dar. In diesem übte er scharfe Kritik an all jenen, die die Ostjuden bzw. Osteuropa als minderwertig ansahen. Zugleich kritisierte er aber auch diejenigen Juden, die ihre Heimat verleugneten und im Gegenzug den westlichen Lebensstil verherrlichten. Gegen den antisemitischen Zeitgeist richtete sich ferner Roths 1930 erschienenes Hauptwerk „Hiob“. Seine Kritik am überzogenen Nationalismus machte Roth hingegen unter anderem in „Zipper und sein Vater“ deutlich, indem er ihn als gesellschaftliches Etikett entlarvte, der bei den meisten Menschen auf Opportunismus und keiner inneren Werthaltung beruhe. Joseph Roth emigrierte am 30. Januar 1933 nach Paris, wo er weiterhin publizistisch, schriftstellerisch und politisch tätig blieb und im Mai 1939 verstarb.

Text von André Schnepper

Kurt Tucholsky

„Hier ruht ein goldenes Herz und eine eiserne Schnauze. – Gute Nacht!“, hatte Kurt Tucholsky seinem Pseudonym Kurt Wrobel einst als Grabspruch vorgeschlagen. Doch als er 1935 starb – ob freiwillig oder durch Überdosierung seiner Medikamente, ist nicht geklärt -, da schwieg einer der bekanntesten und bestbezahlten Publizisten der Weimarer Republik schon lange. Hellsichtig hatte der 1890 geborene Jurist, Journalist und Schriftsteller schon 1931 gewusst, dass sein über Jahrzehnte andauerndes Engagement als Linker, Pazifist und Politiker nichts mehr gegen die Nationalsozialisten würde ausrichten können. Der kurzzeitige Chefredakteur der „Weltbühne“ und langjährige Autor mit Pseudonymen wie Theobald Tiger, Peter Panter und Kaspar Hauser hatte resigniert. Im ersten Weltkrieg wurde er eingezogen, versuchte jedoch, den Krieg an der Waffe so weit wie möglich zu vermeiden: „Eines Tages bekam ich für den Marsch ein altes schweres Schießgewehr eingehändigt. Ein Gewehr? Und im Kriege? Nie, dachte ich mir. Und lehnte es an eine Hütte. Und ging weg.“ Schon vor dem ersten und lange vor dem zweiten Weltkrieg besaß er einen analysierenden Intellekt, der durch Satire, Ironie und tiefere Bedeutung in der „Weltbühne“ und anderen Blättern eine demokratischere und gerechtere Gesellschaft schaffen wollte. Sätze wie „Soldaten sind Mörder“ sind noch heute im kollektiven Gedächtnis. „Schloss Gripsholm“ erinnert noch immer an die heitere Seite des Satirikers. Als Journalist hat er Generationen von späteren, in einem anderen Deutschland aufgewachsenen und kritischen Journalisten geprägt. Ein später Erfolg, den Tucholksy nicht mehr erlebt hat. Seine Grabstelle in Schweden, wohin er bereits ausgewandert war, ist nun mit „Alles Vergängliche Ist Nur Ein Gleichnis“ aus Faust II gekennzeichnet. Vergänglich ist Tucholsky wie jeder Mensch gewesen. Als Publizist hat er länger gewirkt als er hoffte

Text von Brigitte Nussbaum

Carl von Ossietzky

Der pazifistische Publizist und Friedensnobelpreisträger von 1935, Carl von Ossietzky, arbeitete zunächst ohne Schulabschluss als Hilfsschreiber bei der Hamburger Justizverwaltung. Seinen Wunsch, Journalist zu werden, erfüllte er sich 1911, nachdem er der „Deutschen Friedensgesellschaft“ und der Partei „Demokratische Vereinigung“ beitrat und dort für die Wochenzeitung „Das feie Volk“ schrieb. Auch im Privaten machte sich seine progressive Einstellung bemerkbar, so heiratete er die Frauenrechtlerin Maud Lichfield-Wood. 1916 wurde er zum Kriegseinsatz eingezogen und nahm an der Schlacht von Verdun teil. Dieses Erlebnis bestärkte ihn umso mehr in seiner pazifistischen Einstellung, weshalb er 1919 unter dem Motto „Nie wieder Krieg“ den „Friedensbund der Kriegsteilnehmer“ zusammen mit Kurt Tucholsky und weiteren gründete. Ab 1926, schrieb er für „Die Weltbühne“, 1927 übernahm er die Redaktion dieser Zeitung. Nachdem er ab 1931 bereits 18 Monate im Gefängnis verbrachte, weil er die illegale Rüstungspolitik der Reichwehr in einem Artikel aufdeckte, wurde er am 28.2.1933 von den Nazis festgenommen und wurde bis 1936 in den KZ’s Sonneberg und Esterwegen gefangen gehalten. Außerdem wurde die Zeitung „Die Weltbühne“ zu diesem Zeitpunkt verboten. Freigelassen aus dem KZ wurde Ossietzky lediglich aufgrund der weltweiten Aufmerksamkeit, da er nachträglich den Friedensnobelpreis von 1935 verliehen bekam, den er nicht persönlich entgegennahm. 1938 starb Carl von Ossietzky an den Folgen seiner Gefangenschaft im KZ.

Text von Felix Höppner